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Der Zaunkönig
Ein junger Mensch flieht in einer Gruppe schweigend über die Grenze. Seine Füsse schreiten voran, denn sie haben keine Wurzeln. Sein Kopf aber hängt an den vielen, zurückgelassenen Wurzeln. Im Asylantenheim verstricken sich seine Finger im Zaun einer Wiese. Seine Maschen sind bekannt, aber hier spricht der Zaun Freiheit, Sicherheit, Begrenztheit, Sehnsucht, Heimweh. Und er bestimmt die Zukunft des jungen Menschen, der nun selber Wurzeln und Pfähle in den Schweizer Boden schlägt.
Sandra Choinowski
Geboren 1966 als Kind deutscher Eltern in St. Gallen. Sie lernte Krankenschwester, machte auf dem zweiten Bildungsweg die Matur und begann in Freiburg Philosophie zu studieren. Als sich ein Kind ankündigte, unterbrach sie ihr Studium und arbeitete zehn Jahre lang als stellvertretende Geschäftsführerin in einer Baufirma, die drei Dutzend Mitarbeiter aus Süditalien und dem ehemaligen Jugoslawien beschäftigte. Auch bei ihren Nachtwachen in einem Pflegeheim arbeitet sie mehrheitlich mit Migrantinnen und Migranten zusammen. Inzwischen ist sie Schweizerin, lebt in St. Gallen, hat ihr Studium wieder aufgenommen und widmet möglichst viel Zeit ihrem Sohn. Ihre literarischen Lieblinge sind Jean-Paul Sartre, Friedrich Dürrenmatt und Birgit Vanderbeke.
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